Wärmepumpe · aktualisiert am 17. Juli 2026

Wärmepumpe im Altbau: Wann sie sich wirklich lohnt

Wärmepumpen funktionieren auch im Altbau — entscheidend sind Vorlauftemperatur, Heizlast und Dämmzustand. Was du vor der Entscheidung prüfen solltest.

Die Frage taucht bei fast jeder Altbau-Sanierung auf: Funktioniert eine Wärmepumpe in einem Haus von 1975 überhaupt? Die kurze Antwort: ja, in den allermeisten Fällen. Entscheidend ist nicht das Baujahr, sondern die Vorlauftemperatur, die dein Heizsystem im tiefsten Winter braucht.

Die Vorlauftemperatur ist der Knackpunkt

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Vorlauftemperatur ist. Als Faustregel gilt: Bei 35 °C Vorlauf erreichst du eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von etwa 4,0 bis 4,5 — bei 55 °C sinkt sie auf rund 2,8 bis 3,2. Die JAZ sagt, wie viele Kilowattstunden Wärme du pro Kilowattstunde Strom bekommst. Unter etwa 3,0 wird der Betrieb gegenüber Gas wirtschaftlich eng.

Der praktische Test kostet dich nichts: Dreh an einem kalten Wintertag die Vorlauftemperatur deiner bestehenden Heizung schrittweise herunter. Wird es bei 50 bis 55 °C noch warm genug, ist dein Haus wärmepumpentauglich — ohne dass du eine einzige Wand dämmen musst.

Heizkörper tauschen statt Fassade dämmen

Wenn einzelne Räume nicht warm werden, liegt es meist an zu kleinen Heizkörpern, nicht an der Gebäudehülle. Der Austausch gegen Niedertemperatur- oder Gebläse-Heizkörper in zwei bis drei kritischen Räumen kostet typischerweise 400 bis 900 Euro pro Stück und ist fast immer günstiger als eine Fassadendämmung — bei ähnlichem Effekt auf die nötige Vorlauftemperatur.

Kosten und Förderung (Stand 2026)

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe inklusive Einbau, Hydraulik und Inbetriebnahme liegt im Einfamilienhaus realistisch bei 28.000 bis 42.000 Euro. Über die BEG-Einzelmaßnahmen der KfW sind bis zu 70 Prozent Zuschuss möglich: 30 Prozent Grundförderung, 20 Prozent Klimageschwindigkeitsbonus beim Austausch einer alten fossilen Heizung, 30 Prozent Einkommensbonus bis 40.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen sowie 5 Prozent Effizienzbonus für natürliche Kältemittel. Die förderfähigen Kosten sind bei 30.000 Euro für die erste Wohneinheit gedeckelt.

Wichtig: Die Boni sind kombinierbar, aber bei 70 Prozent gedeckelt. Der Antrag muss vor Beauftragung gestellt werden — ein unterschriebener Vertrag mit aufschiebender Bedingung ist zulässig.

Wann eine Wärmepumpe wirklich schwierig wird

  • Ungedämmter Altbau mit sehr hoher Heizlast und alten Gussradiatoren, die 70 °C brauchen
  • Kein Platz für die Außeneinheit oder sehr enge Grenzbebauung mit Schallproblemen
  • Denkmalschutz, der weder Heizkörpertausch noch Innendämmung zulässt

In diesen Fällen kann eine Hybridlösung oder ein Anschluss an ein Wärmenetz die bessere Wahl sein. Lass die Heizlast vorher von einem Fachbetrieb nach DIN EN 12831 berechnen — eine überdimensionierte Wärmepumpe taktet, verschleißt schneller und frisst Strom.